"Ich weiß es nicht besser" - Warum ich mich für die Transaktionsanalyse entschieden habe
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Über unsere inneren Stimmen, alte Entscheidungen, die Bedeutung des Körpers und darüber, warum Psychotherapie für mich vor allem eines bedeutet: Menschen dabei zu begleiten, ihren eigenen Weg zu entdecken.
„Ich weiß es nicht besser.“
Vielleicht klingt dieser Satz aus dem Mund einer Psychotherapeutin zunächst ungewöhnlich.
Schließlich wird oft angenommen, dass Therapeut*innen genau wissen, wo das Problem liegt, welche Erfahrungen aufgearbeitet werden müssen und was ein Mensch verändern sollte.
Doch genau das entspricht weder meiner therapeutischen Haltung noch dem Menschenbild der Transaktionsanalyse.
Ich bringe mein Fachwissen, meine Ausbildung und meine Erfahrung mit. Mein Gegenüber bringt etwas ebenso Wichtiges mit: die eigene Lebensgeschichte, persönliche Erfahrungen, Bedürfnisse und Möglichkeiten.
Und manchmal auch das Gefühl, überhaupt nicht zu wissen, was gerade gebraucht wird.
Auch das darf sein.
Aber wie bin ich eigentlich zur Transaktionsanalyse gekommen? Und was verbirgt sich hinter diesem zugegeben etwas sperrigen Namen?
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Transaktionsanalyse – was hat es mit diesem Namen auf sich?
Die Transaktionsanalyse, kurz TA, wurde vom Psychiater Eric Berne ab den 1950er-Jahren entwickelt.
Der Begriff klingt zunächst ziemlich technisch. Dabei beschäftigt sich die Transaktionsanalyse mit etwas zutiefst Menschlichem: wie wir miteinander kommunizieren, Beziehungen gestalten und uns selbst erleben.
Eine Transaktion beschreibt vereinfacht einen Austausch zwischen Menschen. Eine Aussage, eine Frage, eine Reaktion. Dabei spielen nicht nur Worte eine Rolle, sondern auch Tonfall, Körpersprache und Gefühle.
Die Analyse bedeutet, diesen Austausch genauer zu betrachten.
Warum führt ein scheinbar harmloser Satz plötzlich zu einem Streit?
Warum fällt es manchmal so schwer, Nein zu sagen?
Warum reagieren Menschen in bestimmten Situationen ganz anders, als sie es eigentlich möchten?
Die Transaktionsanalyse bietet Modelle, um solche Zusammenhänge besser zu verstehen.
Dabei geht es keineswegs nur um Kommunikation. Es geht auch um frühe Erfahrungen, innere Überzeugungen, unbewusste Lebensentscheidungen und darum, wie diese unser heutiges Leben beeinflussen können.
Drei Ich-Zustände – und alle gehören zu uns
Eines der bekanntesten Modelle der Transaktionsanalyse sind die drei Ich-Zustände.
Eric Berne ging davon aus, dass Menschen unterschiedliche zusammenhängende Muster des Denkens, Fühlens und Handelns erleben können. Diese beschrieb er als Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich.
Das Eltern-Ich
Hier finden sich Haltungen, Regeln, Bewertungen und Verhaltensweisen, die von wichtigen Bezugspersonen übernommen wurden.
Das kann eine unterstützende innere Stimme sein, die ermutigt und Sicherheit gibt.
Es kann aber auch die kritische Stimme sein, die sagt: „Das ist nicht gut genug“ oder „Reiß dich zusammen“.
Das Erwachsenen-Ich
Hier geht es darum, die gegenwärtige Situation möglichst realitätsbezogen wahrzunehmen, Informationen zu prüfen und Entscheidungen im Hier und Jetzt zu treffen.
Was ist tatsächlich gerade los? Welche Möglichkeiten bestehen? Was wird jetzt gebraucht?
Das Kind-Ich
Hier zeigen sich Gefühle, Erlebnisse und Reaktionsweisen, die mit früheren Erfahrungen verbunden sind.
Dazu gehören Freude, Neugier, Spontaneität und Lebendigkeit. Aber auch Ängste, Verletzungen und früh gelernte Anpassungsstrategien.
Alle drei Ich-Zustände gehören zum Menschen. Keiner ist grundsätzlich falsch oder schlecht.
In der therapeutischen Arbeit kann es darum gehen, diese unterschiedlichen inneren Anteile besser kennenzulernen und zu verstehen, wann sie hilfreich sind und wann sie möglicherweise einschränken.
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Und dann kam Fanita English.
Die Transaktionsanalyse hat viele bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht.
Eine davon ist Fanita English.
Ihre Arbeit war für meine Entscheidung, mich in der Transaktionsanalyse ausbilden zu lassen, besonders prägend.
Fanita English beschäftigte sich unter anderem intensiv mit unseren Gefühlen und der Frage, warum Menschen manchmal etwas anderes zeigen oder empfinden, als in einer Situation eigentlich naheliegen würde.
Sie beschrieb das Konzept der Ersatzgefühle.
Ein Beispiel:
Ein Kind wächst in einem Umfeld auf, in dem Wut keinen Platz hat. Traurigkeit hingegen wird akzeptiert und vielleicht sogar mit Zuwendung beantwortet.
Das Kind kann lernen, Wut weniger wahrzunehmen und stattdessen Traurigkeit zu erleben oder auszudrücken.
In einem anderen Umfeld ist vielleicht genau das Gegenteil der Fall.
Solche Muster entstehen häufig früh und ohne bewusste Entscheidung.
Später kann es passieren, dass Erwachsene in bestimmten Situationen immer wieder ähnlich reagieren und selbst nicht genau verstehen, warum.
Mich fasziniert daran ein wesentlicher Gedanke:
Nicht jedes Gefühl, das sich zeigt, erzählt bereits die ganze Geschichte.
Vielleicht war es eine Möglichkeit, mit einer schwierigen Situation umzugehen.
Vielleicht war es damals sogar die beste verfügbare Lösung.
Für mich steckt darin unglaublich viel Verständnis für menschliches Erleben.
Und genau das hat mich an der Transaktionsanalyse begeistert.
Was ich an der Transaktionsanalyse so schätze
Für mich verbindet die Transaktionsanalyse etwas sehr Wertvolles:
Sie hilft, die Vergangenheit zu verstehen, ohne Menschen auf ihre Vergangenheit zu reduzieren.
Sie interessiert sich für Verhaltensweisen, ohne sie vorschnell zu bewerten.
Sie macht innere Prozesse verständlicher, ohne Menschen vorzuschreiben, wie sie sein sollen.
Und sie eröffnet die Möglichkeit, alte Entscheidungen zu hinterfragen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.
Nicht, weil jemand von außen besser weiß, was richtig ist.
Sondern weil Menschen zunehmend selbst erkennen können, was sie brauchen, was ihnen wichtig ist und welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen.
Vielleicht ist genau das einer der schönsten Gedanken der Transaktionsanalyse: Was einmal gelernt oder entschieden wurde, darf neu betrachtet werden.
Und was daraus entsteht, entscheidet nicht die Therapeutin.
Sondern der Mensch, um dessen Leben es geht.
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Aufstellungsarbeit – wenn Zusammenhänge sichtbar und spürbar werden
Eine Möglichkeit, die ich in meiner therapeutischen Arbeit nutze, ist die Aufstellungsarbeit.
Viele Menschen denken dabei zuerst an Familienaufstellungen.
Doch Aufstellungsarbeit kann weit mehr umfassen.
Es können beispielsweise Beziehungen, innere Anteile, Konflikte, Entscheidungen, Gefühle oder auch Symptome symbolisch aufgestellt werden.
Dafür braucht es nicht zwingend eine Gruppe von Menschen.
Auch Figuren, Gegenstände, Sessel oder Bodenanker können verwendet werden.
Ein Beispiel:
Ein Mensch erlebt immer wieder starke innere Anspannung, kann aber kaum beschreiben, woher sie kommt.
In einer Aufstellung könnte diese Anspannung durch einen Gegenstand dargestellt werden.
Vielleicht bekommt auch das Bedürfnis nach Sicherheit einen Platz. Oder die Angst vor Veränderung.
Plötzlich stehen unterschiedliche Aspekte nicht mehr nur als Gedanken im Raum, sondern werden räumlich sichtbar.
Was ist nah? Was ist weit weg?
Welcher Platz fühlt sich angenehm an?
Wo entsteht Druck?
Und was verändert sich, wenn eine andere Position ausprobiert wird?
Dabei muss nicht immer eine große Erkenntnis entstehen.
Manchmal reicht bereits die Erfahrung, ein Thema anders betrachten zu können.
Warum kann Aufstellungsarbeit hilfreich sein?
Aufstellungsarbeit verbindet mehrere Zugänge.
Ein inneres Erleben erhält eine äußere Darstellung. Dadurch kann es leichter werden, komplexe Zusammenhänge zu betrachten und unterschiedliche Perspektiven einzunehmen.
Das räumliche Ausprobieren kann außerdem Gefühle und Körperempfindungen bewusster zugänglich machen.
Dazu kommen therapeutische Fragen, gemeinsame Reflexion und die Möglichkeit, neue Vorstellungen oder Handlungsschritte zu entwickeln.
Eine Aufstellung ist ein möglicher Zugang zum subjektiven Erleben, kein objektiver Beweis für Zusammenhänge.
Psychotherapie ist keine Anleitung für das richtige Leben.
Manchmal wird von Psychotherapeut*innen erwartet, dass sie sagen, welche Entscheidung richtig ist.
Ob eine Beziehung beendet werden sollte.
Ob ein Kontakt zur Familie aufrechterhalten werden sollte.
Ob ein Beruf gewechselt werden sollte.
Oder was endlich verändert werden müsste.
Aber woher sollte ich wissen, was für einen anderen Menschen das richtige Leben ist?
Ich kenne nicht alle Erfahrungen meines Gegenübers.
Ich lebe nicht dessen Alltag.
Ich spüre nicht dessen Gefühle.
Und ich muss mit den Entscheidungen auch nicht leben.
Ich bin ein Mensch mit einer psychotherapeutischen Ausbildung, Fachwissen und Erfahrung. Kein Mensch, der das Leben anderer besser kennt als sie selbst.
Meine Aufgabe ist es, professionelle Begleitung anzubieten, Zusammenhänge verständlich zu machen, neue Perspektiven zu eröffnen und auch schwierige Themen gemeinsam auszuhalten.
Nicht immer ist dabei sofort klar, wohin der Weg führt.
Manchmal geht es zunächst nur darum, Worte für etwas zu finden.
Manchmal um ein Gefühl.
Manchmal um eine Erinnerung.
Und manchmal auch darum, gemeinsam auszuhalten, dass gerade keine Antwort da ist.
Psychische Gesundheit betrifft uns alle. Mit meinen Beiträgen möchte ich psychotherapeutisches Wissen teilen, Vorurteile hinterfragen und zum offenen Austausch über Themen anregen, die uns als Menschen beschäftigen.
Jacqueline Größbauer
Psychotherapeutin
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